Kompetenzbereich 6 von 8
Frühe Literacy entwickeln
Vorlesen ist eine der wirksamsten Methoden überhaupt, um Kinder mit Schriftsprache vertraut zu machen – und fördert gleichzeitig phonologische Bewusstheit, Wortschatz und Sprachverständnis.
Das Wichtigste in Kürze
- Beim dialogischen Lesen wird das Kind zum Erzähler. Fragen zum Bild stellen, bevor der Text gelesen wird, rund 10 Sekunden Antwortzeit einplanen.
- Schrift im Alltag entdecken: eine Anwesenheitsliste, der eigene Name (erst als Ganzes, dann Buchstaben), eigene Schreibversuche würdigen.
- Vorlesen wirkt in Kleingruppen (max. 4 Kinder) deutlich stärker als in großen Runden.
- Mehrsprachigkeit aktiv einbeziehen: zweisprachige Bilderbücher, Übersetzungskomitee für Schlüsselwörter.
Zum Nachlesen – Hintergrund und Quellen
Interesse an Büchern wecken. Kindern, denen regelmäßig vorgelesen wird, haben einen nachweislich besseren Start in den Schriftspracherwerb.
Dialogisches Lesen. Fünf Fragetypen strukturieren das Vorgehen: Ergänzungs-, Wiederaufruf-, W-, offene und distanzierende Fragen.
Schrift im Alltag entdecken. Kinder lernen zunächst, ihren Namen als Ganzes zu erkennen, bevor sie das alphabetische Prinzip verstehen.
Mehrsprachige Literacy. Ein bewährtes Beispiel: dasselbe Märchen mit Bezügen zur Ursprungskultur und Figurenbezeichnungen in den Familiensprachen.
Literacy fördern. Beim Vorlesen die Stimme variieren, den Finger unter dem Text entlangführen, Pausen zum Mitsprechen lassen.
Quelle: Modul B (Neufassung), Teil II, Kapitel 9.1–9.5 – Diskussionsentwurf, fachliche Freigabe steht noch aus.
Praxisimpulse: gleich ausprobieren
Drei Ideen aus dem Erweiterungsmodul passen direkt zu diesem Kompetenzbereich:
- Dialogisches Vorlesen in der Kleinstgruppe – volle Wirkung erst durch mehrfaches Lesen
- Mein Ich-Buch – der zuverlässigste Sprechanlass, Familiensprachen finden Platz
- Buch des Monats – Wiederholung als bewusstes Wirkprinzip