Erweiterungsmodul · Modul C
30 Praxisideen für den Vorkursalltag
Kurze Einheiten (10–30 Minuten), wenig Materialaufwand, wiederholbar als Ritual. Jede Karte ist von mindestens einem der Kompetenzbereich-Kapitel aus verlinkt – hier finden Sie alle 30 an einem Ort.
Grundprinzip aller Ideen
Sprache entsteht im Dialog – die Fachkraft spricht handlungsbegleitend, wiederholt korrekt (korrektives Feedback statt Verbessern) und lässt den Kindern Zeit zum Antworten.
Idee 1 · Wortschatz
Zauberbeutel (Fühlsäckchen)
Was ist das? Ein Stoffbeutel mit Alltagsgegenständen (Löffel, Schwamm, Tannenzapfen …).
Warum wirkt es? Fördert Adjektive, Nomen und einfachen Satzbau – und traut sich jedes Kind, weil Raten Spaß macht.
So geht’s: Ein Kind ertastet einen Gegenstand und beschreibt ihn, die anderen raten.
Material: Beutel, Alltagsgegenstände.
Variante bei wenig Deutsch: Erst mit Einwortbeschreibungen starten.
Idee 2 · Wortschatz
Wortschatz-Safari durch die Kita
Was ist das? Die Gruppe geht mit einem „Forscherauftrag“ durchs Haus oder den Garten.
Warum wirkt es? Verbindet Bewegung mit systematischem Aufbau von Wortfeldern.
So geht’s: „Wir suchen alles, was Räder hat …“ Funde benennen, fotografieren, als Bildkarten aufhängen.
Material: ggf. Kamera/Tablet.
Variante bei wenig Deutsch: Zunächst nur zeigen/sammeln lassen, Fachkraft benennt.
Rollenspiel-Ecke mit Sprachritual
Was ist das? Ein fester Spielbereich mit klaren Dialogroutinen (Einkaufsladen, Arztpraxis, Restaurant).
Warum wirkt es? Formelhafte Wendungen geben Sicherheit im Gespräch.
So geht’s: „Guten Tag, ich möchte bitte …“ Fachkraft spielt anfangs mit, später übernehmen die Kinder.
Material: Kaufladen/Requisiten.
Variante bei wenig Deutsch: Nur eine Rolle mit einem Satzmuster üben.
Idee 4 · Wortschatz
„Ich packe meinen Koffer“ mit Bildkarten
Was ist das? Die klassische Merkspiel-Runde, aber mit Bildkarten in der Mitte.
Warum wirkt es? Wer ein Wort nicht abrufen kann, darf auf die Karte zeigen – auch Kinder mit kleinem Wortschatz spielen erfolgreich mit.
So geht’s: Reihum Gegenstände nennen und die vorherigen wiederholen.
Material: Bildkarten.
Variante bei wenig Deutsch: Nur mit Zeigen auf die Karte teilnehmen lassen.
Idee 5 · Wortschatz
Wort der Woche
Was ist das? Jede Woche wird im Begrüßungskreis ein neues Wort feierlich aus einer „Schatzkiste“ gezogen.
Warum wirkt es? Sorgt für tiefe Wortschatzverankerung durch wiederholte, bewusste Verwendung.
So geht’s: Wort erklären, pantomimisch darstellen, malen, die Woche über bewusst benutzen.
Material: Kiste, Wortkarten, Glas mit Steinen.
Variante bei wenig Deutsch: Wort zusätzlich mit Bildkarte visualisieren.
Idee 6 · Übergreifende Methoden
Sprechzeichnen
Was ist das? Die Fachkraft zeichnet langsam ein Bild und versprachlicht jeden Strich.
Warum wirkt es? Verbindet Feinmotorik mit präzisem Sprechen – Verben und Präpositionen entstehen im Tun.
So geht’s: Kinder zeichnen mit und sprechen nach; in der zweiten Runde diktieren die Kinder.
Material: Papier, Stifte.
Variante bei wenig Deutsch: Erste Runde nur zuschauen und mitzeichnen lassen.
Idee 7 · Übergreifende Methoden
Kochen und Zubereiten mit handlungsbegleitendem Sprechen
Was ist das? Obstsalat, Brotgesichter oder Quarkspeise gemeinsam zubereiten.
Warum wirkt es? Echte Handlungen liefern echte Verben (schneiden, schälen, rühren).
So geht’s: Jedes Kind bekommt einen Auftrag und beschreibt, was es tut.
Material: Zutaten, kindgerechte Küchenwerkzeuge.
Variante bei wenig Deutsch: Handlungen vormachen, einfache Verben mehrfach wiederholen.
Idee 8 · Wortschatz / Grammatik
Satzmuster-Memory
Was ist das? Memory mit Bildkarten, aber mit festem Sprechritual.
Warum wirkt es? Trainiert nebenbei Artikel und Akkusativ, ohne dass es sich nach Üben anfühlt.
So geht’s: „Ich habe den Apfel. Wer hat den Apfel?“
Material: Memory-Bildkarten.
Variante bei wenig Deutsch: Satzmuster zunächst nur von der Fachkraft sprechen lassen.
Idee 9 · Sprachverständnis / Literacy
Dialogisches Vorlesen in der Kleinstgruppe
Was ist das? Ein Bilderbuch mit 2–4 Kindern – aber nicht vorlesen, sondern ins Gespräch kommen.
Warum wirkt es? Offene W-Fragen fördern Sprachverständnis. Dasselbe Buch mehrfach lesen: Beim dritten Mal erzählen die Kinder mit.
So geht’s: „Was glaubst du, warum weint der Bär?“ – Kinderäußerungen aufgreifen und erweitern.
Material: ein gutes Bilderbuch.
Variante bei wenig Deutsch: Fragen zunächst mit Zeigen/Nicken beantwortbar stellen.
Idee 10 · Erzählen
Kamishibai-Erzähltheater
Was ist das? Bildkarten im Holzrahmen-Theater machen Geschichten groß und feierlich.
Warum wirkt es? Entlastet Kinder mit wenig Deutsch, weil das Bild trägt, was die Worte noch nicht schaffen.
So geht’s: Erst erzählt die Fachkraft, dann übernehmen die Kinder einzelne Bilder.
Material: Kamishibai, Bildkartensets.
Variante bei wenig Deutsch: Kind zeigt zunächst nur ein Bild und sagt einzelne Wörter.
Idee 11 · Erzählen
Erzählschiene mit selbst gebastelten Figuren
Was ist das? Die Kinder bemalen Papierfiguren und schieben sie auf einer Holzschiene durch die Geschichte.
Warum wirkt es? Weil die Figuren selbst gemacht sind, wollen alle „ihre“ Figur sprechen lassen.
So geht’s: Figuren basteln, dann auf der Schiene durch die Geschichte schieben.
Material: Erzählschiene, Tonpapier.
Variante bei wenig Deutsch: Figur zunächst nur bewegen lassen, Text von der Fachkraft.
Idee 12 · Erzählen
Erzählsteine und Erzählwürfel
Was ist das? Steine oder Würfel mit einfachen Motiven (Haus, Sonne, Hund, Auto …).
Warum wirkt es? Fördert Erzählen, Fantasie und Satzverknüpfung mit niedriger Einstiegshürde.
So geht’s: Ein Kind zieht drei Steine und erfindet daraus eine Mini-Geschichte.
Material: bemalte Steine oder Story Cubes.
Variante bei wenig Deutsch: Nur einen Stein ziehen und einen Satz dazu bilden.
Idee 13 · Sprachverständnis / Erzählen
Geschichtensäckchen
Was ist das? Zu einem Bilderbuch oder Märchen gibt es ein Säckchen mit passenden Figuren und Requisiten.
Warum wirkt es? Kinder zeigen Verstandenes handelnd statt sprachlich und spielen die Geschichte selbstständig nach.
So geht’s: Geschichte beim Erzählen mit den Figuren nachspielen, Säckchen dann zum freien Spiel bereitstellen.
Material: Stoffsäckchen, kleine Figuren.
Variante bei wenig Deutsch: Erst nur mit Figuren zeigen lassen, was passiert ist.
Idee 14 · Literacy
Mein Ich-Buch
Was ist das? Jedes Kind gestaltet ein eigenes kleines Buch: Fotos von sich, der Familie, Lieblingsdingen.
Warum wirkt es? Der zuverlässigste Sprechanlass – Familiensprachen bekommen selbstverständlich Platz.
So geht’s: Gemeinsam Fotos sammeln, einkleben und dazu erzählen lassen.
Material: Heft, Fotos, Kleber.
Variante bei wenig Deutsch: Eltern um kurze Bildunterschriften in der Familiensprache bitten.
Idee 15 · Literacy
Buch des Monats
Was ist das? Ein Bilderbuch begleitet die Gruppe vier Wochen lang.
Warum wirkt es? Wiederholung ist das Wirkprinzip: Beim fünften Durchgang sprechen Kinder ganze Passagen mit.
So geht’s: Erst vorlesen, dann dialogisch betrachten, Figuren basteln, Szenen nachspielen.
Material: ein Bilderbuch, Bastelmaterial.
Variante bei wenig Deutsch: Erst mehr über Bilder als über Text sprechen.
Idee 16 · Sprachverständnis / Erzählen
Bildergeschichte sortieren und nacherzählen
Was ist das? Sequenzkarten (3–6 Bilder) werden gemischt und in die richtige Reihenfolge gebracht.
Warum wirkt es? Vorstufe zum mündlichen Erzählen mit rotem Faden – eine Schlüsselkompetenz für den Schulanfang.
So geht’s: Karten ordnen, mit „Zuerst … dann … zum Schluss“ nacherzählen.
Material: Sequenzkarten.
Variante bei wenig Deutsch: Reihenfolge zunächst nur legen lassen, ohne Sprechzwang.
Idee 17 · Phonologische Bewusstheit
Silben klatschen, stampfen, hüpfen
Was ist das? Namen, Wochentage oder Bildkartenwörter werden in Silben zerlegt und dazu geklatscht.
Warum wirkt es? Der ganze Körper macht die Wortstruktur spürbar.
So geht’s: Wort in Silben sprechen und pro Silbe klatschen/stampfen/hüpfen.
Material: ggf. Reifen, Bildkarten.
Variante bei wenig Deutsch: Mit dem eigenen Namen beginnen.
Idee 18 · Phonologische Bewusstheit
Reim-Quatschküche
Was ist das? Reimpaare finden, Quatschreime erfinden und Reim-Lücken füllen.
Warum wirkt es? Kinder lieben Quatschwörter – das Spiel mit Lauten ist Vorstufe zum Lesenlernen.
So geht’s: „Auf dem Baum sitzt eine Katze, sie hat eine weiche …?“
Material: keins oder Reim-Bildkarten.
Variante bei wenig Deutsch: Bedeutung der Reimwörter vorab mit Bildkarten klären.
Idee 19 · Phonologische Bewusstheit
Anlaut-Schatzsuche
Was ist das? „Wir suchen heute alles, was mit M anfängt!“
Warum wirkt es? Übt gezielt das Heraushören von Anfangslauten.
So geht’s: Gegenstände oder Bildkarten sammeln, jeder Fund wird gedehnt gesprochen.
Material: Alltagsgegenstände, Ablagetisch.
Variante bei wenig Deutsch: Nur wenige, bereits bekannte Gegenstände anbieten.
Idee 20 · Phonologische Bewusstheit
Roboter-Sprache
Was ist das? Die Fachkraft (oder eine Roboter-Handpuppe) spricht Wörter zerlegt vor.
Warum wirkt es? Trainiert Silben- und Lautsynthese – eine Vorläuferfähigkeit des Lesens.
So geht’s: „Ba-na-ne“ vorsprechen, Kinder „übersetzen“. Danach dürfen Kinder selbst Roboter sein.
Material: ggf. Handpuppe.
Variante bei wenig Deutsch: Mit kurzen, bekannten Wörtern beginnen.
Idee 21 · Phonologische Bewusstheit
Fester Lieder- und Fingerspiel-Kanon
Was ist das? Ein kleines Repertoire an Liedern und Fingerspielen, das jede Vorkurseinheit rahmt.
Warum wirkt es? Rhythmus, Melodie und Gesten sind Gedächtnisanker.
So geht’s: Festes Begrüßungslied und Abschlussvers konsequent wiederholen.
Material: keins.
Variante bei wenig Deutsch: Gesten zu jeder Liedzeile ergänzen.
Idee 22 · Übergreifende Methoden
Klanggeschichten mit Instrumenten
Was ist das? Eine einfache Geschichte wird mit Orff-Instrumenten vertont.
Warum wirkt es? Kinder müssen genau zuhören, um ihren Einsatz zu erkennen.
So geht’s: Instrumente Ereignissen zuordnen (Trommel = Donner, Glöckchen = Regen).
Material: einfache Instrumente.
Variante bei wenig Deutsch: Nur mit Geräuschen und Zeigen teilnehmen.
Idee 23 · Gespräch / Phonologische Bewusstheit
Hör-Spiele: Stille Post und Hörmemory
Was ist das? Stille Post mit einfachen Wörtern; Hörmemory mit gefüllten Filmdosen.
Warum wirkt es? Übt genaues Hinhören, deutliches Sprechen und Lautdiskrimination.
So geht’s: Im Kreis flüstern; Dosenpaare durch Schütteln zuordnen.
Material: gefüllte Döschen (für Hörmemory).
Variante bei wenig Deutsch: Bei Stille Post kurze, bekannte Wörter verwenden.
Idee 24 · Grammatik
Präpositionen-Parcours
Was ist das? Ein Bewegungsparcours, bei dem Raumbegriffe das Lernziel sind.
Warum wirkt es? Macht Präpositionen körperlich erfahrbar – besonders im Sport-/Turnraum.
So geht’s: ÜBER die Bank, UNTER den Tisch, DURCH den Reifen. Später geben Kinder die Kommandos.
Material: Turngeräte/Alltagsmöbel.
Variante bei wenig Deutsch: Präposition immer mit eindeutiger Geste zeigen.
Idee 25 · Sprachverständnis
„Zeig mir!“-Spiele (bewegtes Sprachverstehen)
Was ist das? Kommandospiele nach dem Prinzip „Verstehen vor Sprechen“.
Warum wirkt es? Kinder in der stillen Phase können voll mitmachen, ohne sprechen zu müssen.
So geht’s: „Hüpf wie ein Frosch!“, „Bring mir etwas Rotes!“
Material: keins.
Variante bei wenig Deutsch: Ideal genau für diese Kinder, ganz ohne Sprechdruck.
Idee 26 · Sprachverständnis / Pragmatik
Wortschatz-Laufspiele
Was ist das? Bekannte Laufspiele mit Sprachauftrag.
Warum wirkt es? Verbindet Verständnisüberprüfung mit Bewegung und schnellem Wortabruf.
So geht’s: Farb-/Bildkarten an die Wände hängen, auf Zuruf zum passenden Bild rennen.
Material: Bildkarten.
Variante bei wenig Deutsch: Mit wenigen, bekannten Wörtern starten.
Idee 27 · Grundlagen
Sprachschatzkiste der Familiensprachen
Was ist das? Die Gruppe sammelt, wie „Hallo“ oder das Zählen bis drei in den Familiensprachen klingt.
Warum wirkt es? Mehrsprachigkeit wird sichtbar als Schatz, nicht als Defizit.
So geht’s: Wörter gemeinsam sammeln, gern mit Hilfe der Eltern.
Material: Kiste, ggf. Aufnahmegerät.
Variante bei wenig Deutsch: Besonders geeignet – Kinder werden zu Expert:innen ihrer Sprache.
Idee 28 · Beobachten & Dokumentieren
Foto-Erzählbrücke nach Hause
Was ist das? Von jeder Vorkurs-Einheit gibt es ein Foto.
Warum wirkt es? Das Gelernte wird zu Hause noch einmal versprachlicht – und bindet Eltern aktiv ein.
So geht’s: „Erzähl zu Hause, was wir gemacht haben.“ Eltern bekommen einen Frage-Hinweis.
Material: Kamera, Drucker/App.
Variante bei wenig Deutsch: Eltern ermutigen, auch in der Familiensprache zu sprechen.
Idee 29 · Beobachten & Dokumentieren
Vorkurs-Portfolio („Das kann ich schon sagen“)
Was ist das? Jedes Kind führt eine eigene Mappe: Bilder, Fotos, Lieblingsreime.
Warum wirkt es? Natürlicher Sprechanlass und sichtbar gemachter Fortschritt.
So geht’s: Regelmäßig gemeinsam durchblättern und darüber sprechen.
Material: Ordner/Mappe.
Variante bei wenig Deutsch: Erst auf Bilder zeigen lassen, Sätze modellieren.
Idee 30 · Übergreifende Methoden
Ausflüge mit Sprachauftrag
Was ist das? Ein Besuch in der Stadtbücherei oder auf dem Wochenmarkt.
Warum wirkt es? Reale Situationen mit echten Gesprächspartnern sind die wirksamsten Sprechanlässe.
So geht’s: In der Bücherei ein Buch aussuchen, auf dem Markt Obst benennen und einkaufen.
Material: keins.
Variante bei wenig Deutsch: Feste Sätze vorher gemeinsam einüben.
Hinweise zur Umsetzung
- Kleine Gruppe, viel Redezeit: Lieber 15 Minuten mit 4 Kindern als 45 Minuten mit 12.
- Wiederholen ist das Prinzip, nicht der Notnagel: Sicherheit macht Kinder sprechfreudig.
- Fehler nicht korrigieren, sondern korrekt zurückgeben: Kind: „Der Maus is weggelauft.“ – Fachkraft: „Ja genau, die Maus ist weggelaufen!“
- Verstehen vor Sprechen: Kinder in der stillen Phase nicht zum Sprechen drängen.